Eine Beitragsreihe über den enera Flexmarkt – Teil 2

2019-02-01T13:09:17+00:00

Nachdem wir in dem ersten Teil der Beitragsreihe über die Herausforderungen der Energiewende berichtet haben, stellen wir in Teil 2 nun den enera Flexmarkt genauer vor. 

Der enera Flexmarkt - eine Revolution des Strommarktdesigns

Damit sich die Möglichkeiten der Digitalisierung im Energiesystem etablieren können, bedarf es einer neuen Marktstruktur.
Mehr Anlagen, darunter kleine Anlagen und industrielle Lasten, sowie neue Technologien sollen die Chance erhalten, an der Engpassbehebung auf freiwilliger Basis teilzunehmen. 
Beim enera Flexmarkt wird die Auswahl der Flexibilität marktwirtschaftlich organisiert und der Flexibilitätsabruf zwischen den Netzbetreibern besser koordiniert.

Dank mehr Flexibilitäten, den marktwirtschaftlichen Anreizen und der besseren Koordination erwarten wir eine Senkung der Kosten für den Transport von Strom.
Durch die Einbeziehung aller Akteure, insbesondere der privaten Haushalte, soll schlussendlich auch die Akzeptanz von Erneuerbaren Energien auf allen Ebenen steigen.

Die Struktur des enera Flexmarktes

In der enera Modellregion sollen lokale Flexibilitätsmärkte den lokalen Flexibilitätsbedarf der Netzbetreiber und das verfügbare Flexibilitätspotenzial der Region zusammenbringen.
Die europäische Strombörse EPEX SPOT wird den enera Flexmarkt auf der gleichen infrastrukturellen Basis wie dem bestehenden Intraday-Markt betreiben. Durch vergleichbare Marktprozesse, wie z.B. dem Handelsstart um 15 Uhr am Vortag und dem Handelsende fünf Minuten vor Lieferstart sowie dem Handel von 15-Minuten- und 1-Stunde-Produkten, gibt es nur sehr geringe Markteintrittsbarrieren für (Intraday-) Vermarkter. Diese können daher auf bestehende Prozesse, Rollen und Schnittstellen zurückgreifen. Des Weiteren garantiert die EPEX SPOT als Marktplatzbetreiber die vollkommen faire und diskriminierungsfreie Abwicklung aller Order sowie die Anonymisierung aller Trades.

Nur die Netzbetreiber können Nachfrage-Gebote auf Basis ihres prognostizierten Flexibilitätsbedarfes einstellen, was den enera Markt somit zu einem Single-Buyer-Market macht.
Ziel der Netzbetreiber ist es, den Flexibilitätsbedarf auf dem Marktplatz kostengünstiger in der gelben Ampelphase decken zu können, als dies in der roten Ampelphase möglich wäre. Um eine effiziente Flexibilitätskontrahierung zu gewährleisten, koordinieren sie zusätzlich ihren Abruf vor der Marktnutzung.

Die Bereitstellung von Flexibilitäten

Jeder zertifizierte Flexibilitätsanbieter kann auf dem enera-Marktplatz durch die Einstellung einer Angebotsorder seine Flexibilität dem Netzbetreiber anbieten. Grundsätzlich muss im Flexibilitätsangebot zwischen „erneuerbar“ und „konventionell“ unterschieden werden, damit die Netzbetreiber ihrer Verpflichtung zur Wahrung des Einspeisevorrangs nachkommen können. Ansonsten ist die Flexibilitätsbereitstellung technologieunabhängig möglich.

Sobald Angebot und Nachfrage zusammenpassen, kommt der Trade zustande. Nach dessen Ausführung erhalten die beteiligten Parteien eine Trade-Confirmation durch die EPEX SPOT zugestellt. Diese Confirmation ist Grundlage für die Nachweisführung und Abrechnung des Trades. Die Verantwortung für den bilanziellen Ausgleich liegt beim Anbieter, dem sog. Bilanzkreisverantwortlichen.