462 Kilogramm Haushaltsabfall haben die Deutschen 2017 pro Kopf produziert, das ergab die Erfassung des Statistischen Bundesamtes. Während Altpapier und Glas zum Großteil recycelt werden können, sieht das bei Restmüll und Plastik leider anders aus. Etwa 44 Prozent der Plastikverpackungen landen in Müllverbrennungsanlagen, Restmüll wird sogar vollständig verbrannt. Immer mehr Menschen beschäftigen sich daher mit dem Thema „Zero Waste“.

Was sich dahinter verbirgt, ist ganz einfach: Es bedeutet null Müll. Als eine der Vorreiterinnen gilt Bea Johnson, deren vierköpfige Familie pro Jahr gerade einmal ein Einmachglas mit Müll füllt. Diese extreme Form des Lebensstils ist vermutlich nicht jedermanns Sache, aber mit ein paar einfachen Dingen kann jeder Müll reduzieren.

Plastik: Der Umweltschädling Nummer eins

Insbesondere Plastik schadet der Umwelt: Laut dem „Plastikatlas 2019“ produzierten im Jahr 2016 die Deutschen durchschnittlich knapp 38 Kilogramm Plastikmüll pro Kopf. Insgesamt geraten jährlich bis zu 13 Tonnen Plastikmüll in die Meere. Es gibt zahlreiche Bilder, die Meerabschnitte zeigen, wo das Wasser nicht mehr zu erkennen ist. Wenn die Verpackungen, Tüten und Co ausgebreitet werden würden, wäre die Plastiklandschaft in etwa so groß wie Großbritannien.

Das Ausmaß der Verschmutzung ist jedoch nicht sichtbar: Denn Plastik zersetzt sich nicht einfach, sondern zerfällt zunächst in immer kleinere Teile, die Hunderte von Jahren bestehen bleiben können. Diese kleinen Partikel, das sogenannte Mikroplastik, sind an sich schon umweltschädlich, aber sie nehmen noch mehr Schadstoffe auf. In jeder Meerestiefe lässt sich Mikroplastik finden und diese wird von verschiedenen Meeresbewohnern aufgenommen. Somit gelangen die Schadstoffe in beispielsweise Muscheln und Fische und dann wiederum in unseren Körper. Aber das ist nicht das einzige Problem: Der Plastikmüll kostet zahlreiche Tiere das Leben. Wenn du der Umwelt also etwas Gutes tun möchtest, empfehlen wir, vor allem deinen Plastikmüll zu reduzieren.

Zero Waste ist bereits beim Einkaufen möglich

Als Erstes ist es gut, wenn du stets mit einem Jutebeutel in den Supermarkt gehst oder eine andere wiederverwendbare Einkaufstasche dabeihast, anstatt immer eine neue Plastiktüte zu kaufen. Zusätzlich reduzierst du Müll, wenn du auf lose Lebensmittel zurückgreifst. Mittlerweile bekommst du beispielsweise Obst- und Gemüsebeutel in verschiedenen Größen aus Baumwolle oder anderen umweltfreundlichen Materialien. Im Supermarkt hast du in der Regel die Wahl zwischen bereits verpacktem oder losem Obst und Gemüse.

Legst du Wert auf Bioprodukte, findest du leider Gurken und andere frische Lebensmittel oft in Plastik verpackt vor. Das liegt unter anderem daran, dass Bio-Lebensmittel eindeutig von den anderen Produkten unterscheidbar sein sollen. Um auch in diesem Fall Plastikmüll zu vermeiden, bietet es sich an, einen Bioladen aufzusuchen oder auf den Markt zu gehen.

Unverpackt-Läden und Hofverkauf als Alternativen

Je mehr lose Lebensmittel du einkaufst, umso besser. Allein in Deutschland gibt es mittlerweile weit über 50 Läden, die unverpackte Produkte anbieten, sogenannte Unverpackt-Läden. Dort bekommst du unter anderem Reis, Nudeln, Gewürze, Haferflocken, Linsen und Haushaltsmittel wie Waschpulver, WC-Reiniger und Seife. Du bringst einfach ein Einmachglas oder ein anderes Gefäß mit: Das wird einmal im leeren Zustand gewogen und dann noch einmal nach der Befüllung – fertig.

Auch wenn du kein derartiges Geschäft in der Nähe hast, kannst du einige Lebensmittel ohne Verpackung einkaufen. Auf dem Land gibt es immer einige Bauern, die einen Hofverkauf anbieten. Je nach Betrieb bekommst du dann beispielsweise Kartoffeln, Eier, Milch, Gewürze, Honig oder Getreide.

Gläser statt Tetrapack

Wie bereits erwähnt, solltest du darauf achten, Plastik zu vermeiden, wenn du Zero Waste verfolgen möchtest: Statt einem Tetrapack wähle eine Glasflasche. Hier punkten erneut die Unverpackt-Läden, aber auch im Supermarkt hast du bei einigen Produkten die Wahl: So gibt es beispielsweise Milch und Joghurt in Gläsern.

Achte auf Mehrweggläser, da diese recycelt werden. Wenn es nur Einweggläser gibt, kannst du diese anschließend wiederverwenden. Natürlich solltest du sie zuerst gründlich reinigen, aber danach eignen sie sich zum Beispiel als Utensilienglas, zum Frischhalten oder eben für den nächsten Einkauf.

Produkte aus Bambus sind beliebt

Manche Geschäfte befüllen mittlerweile beispielsweise an der Käse- und Wursttheke deine mitgebrachten Dosen. Leider ist es noch nicht in jedem Supermarkt möglich, aber es werden zunehmend mehr. Wie so oft gilt: Die Nachfrage lässt das Angebot wachsen.

Nicht nur Glas ist eine bessere Variante als Plastik. Genauso gibt es verschiedene natürliche Materialien. Mittlerweile erhältst du zahlreiche Produkte aus Holz, Bambus oder Pflanzenfasern – so etwa Kochlöffel, Schneidebretter und Zahnbürsten. Gerade Bambus ist beliebt, denn es ist nicht nur recycelbar, sondern wächst schnell nach.

Ein plastikfreies Badezimmer

Im Badezimmer kannst du einiges tun, um Müll einzusparen. Statt Flüssigseife aus Plastikverpackungen zu nehmen, entscheide dich für ein festes Stück Seife. Die erhältst du sowohl in kleinen Papierkartons als auch ganz ohne Verpackung. Haare waschen und den Körper reinigen sowie pflegen ist ebenfalls mit Zero Waste möglich. Tausche die Flaschen durch feste Haar- und Duschseifen aus. Als Körperlotion eignen sich unter anderem verschiedene Öle, die sich ebenfalls zum Kochen verwenden lassen, wie beispielsweise ein Bio-Kokosöl. Anstatt Abschminktücher verwende Baumwollschwämme oder andere wiederverwendbare Tücher, die aus natürlichen Materialien hergestellt wurden.

Wenn du zum weiblichen Geschlecht gehörst, hast du noch weitere Möglichkeiten, Zero Waste zu praktizieren. Die herkömmlichen Binden und Tampons lassen sich durch die wiederverwendbare Menstruationstasse ersetzen. Ähnlich verhält es sich mit Windeln und Taschentüchern: Stoffvarianten sind um ein Vielfaches umweltfreundlicher.

Weniger Müll durch sinnvollen Konsum

Bevor du dir etwas Neues kaufst, frage dich, ob du es tatsächlich benötigst, denn so reduzierst du ebenfalls Müll. Wenn du dann noch auf umweltfreundliche, wiederverwendbare Produkte zurückgreifst, umso besser. Immer mehr Unternehmen setzen auf Umweltfreundlichkeit, indem sie ihre Produkte aus natürlichen Stoffen produzieren, auf Plastik verzichten und/oder aus bereits Vorhandenem Neues herstellen. Letzteres ist auch als Upcycling bekannt: So kannst du beispielsweise Taschen aus alten LKW-Planen, Rucksäcke aus Meeresplastik oder Bilderrahmen aus alten Skateboards bekommen.

Natürlich schonst du die Umwelt und vermeidest Müll, wenn du beispielsweise Sachen selbst herstellst, Dinge wiederverwendest, Second Hand kaufst und/oder deine für dich ausgedienten Sachen wiederverkaufst oder verschenkst. Wie so oft sind es bereits die kleinen Dinge, die etwas bewirken und du siehst: Dem Zero Waste-Trend näher zu kommen ist viel einfacher, als du möglicherweise denken magst.

Noch ein paar Tipps:

  • Die Tüten vom Toilettenpapier kannst du als Müllbeutel benutzen.
  • Benutze einen eigenen Thermoskaffeebecher, wenn du einen Coffee To Go benötigst.
  • Versehe deinen Briefkasten mit einem „Keine Werbung“-Schild.
  • Briefumschläge und Rechnungen, die du nicht aufbewahren musst, nutze als Schmierpapier.
  • Anstatt Frischhalte- und Alufolie zu verwenden, benutze Wachstücher oder lebensmitteltaugliche Aufbewahrungsboxen.
  • Nimm das Haltbarkeitsdatum nicht zu genau: Viele Produkte wie beispielsweise Reis kannst du normalerweise auch noch einige Zeit darüber hinaus verwenden.
  • Ein Essensplan für die Woche hilft dir, keine unnötigen Lebensmittel einzukaufen, die du nachher wegschmeißen musst.
  • Es gibt außerdem zahlreiche Rezepte, um eigene Bodylotions, Shampoos oder andere Pflegeprodukte herzustellen. Das gilt im Übrigen auch für Haushaltsreiniger und Waschmittel.
  • Ersetze Küchenschwämme und Putztücher aus Schaumstoff durch Baumwolltücher oder du fertige dir einfach welche aus alter Kleidung an.
  • Nutze entweder Kugelschreiber, deren Miene du austauschen kannst, oder greife auf Bleistifte zurück.